Gestüt
Geschichte, Verbreitung
Charakter, Reiteigenschaften
Der Berber: Nerven-
stärke, Neugier, Treue
Araber-Berber: Optimierung
Urlaub
Ausbildung
 
Der Berber: Nervenstärke, Neugier und Treue
Wer einmal nähere Bekanntschaft mit Berberpferden gemacht hat, wird sie als gutmütig und treu empfinden. Den Respekt muss man sich jedoch bei aller Gutmütigkeit schon verdienen. Hat man das eindeutig geklärt und ist die Rangfolge klar, muss das für eine andere Person noch gar nichts heißen. Vermenschlicht gesehen würde man diese Eigenschaft als „Treue“ bezeichnen, und genau diese Eigenschaft wird auch in der Literatur viel zitiert. Man geht sogar so weit, den Berber als „Hund, den man reiten kann“ zu bezeichnen. In der Antike passt das Klischee noch besser. Da sollen diese Pferde ihren Reitern ohne Sattel und Zaumzeug überallhin gefolgt sein und viele unserer Kunden berichten auch heute noch von diesen Eigenschaften.
 
 
Der Stolz der Berber:
ihre treuen Pferde
(Aber-Berber Kebir, im Besitz Dr. D. Meyer,
 
Die Menschenbezogenheit auf ihre Bezugsperson ist eine der vielen Eigenschaften, die den Berber so sympathisch machen. Er ist ein Pferd fürs Leben, das für und mit seinem Herrn durch Dick und Dünn geht. Berber neigen eher selten dazu, vor Gefahren blindlings davon zu laufen. Meist tendieren sie schon als Fohlen dazu, besonnen stehen zu bleiben und erst mal zu beobachten, wie ernst man die scheinbare Bedrohung wirklich nehmen muss. Weiterhin sind die Pferde neugierig und für alles zu begeistern – Hauptsache, es macht Spaß. Eintönige Wiederholungen in der Bahn langweilen sie.
 
 
Berberhengst Oussam, Vater des Zuchthengstes
Impossible, Nationalgestüt Meknes
 
Berber mit ihren Pferden bei den
Vorbereitungen zur Fantasia
 

Es macht wenig Sinn, den Berber nach seinen Herkunftsländern in verschiedene Typen einteilen zu wollen. Es scheint eher angemessen, eine Typisierung nach äußeren Merkmalen vorzunehmen, die wiederum von den Bedingungen der unterschiedlichen Zuchtregionen geprägt wurden.
Die Größe und das Gebäude des Pferdes werden maßgeblich von seiner geografischen Herkunft beeinflusst. Pferde, die über Generationen in so unterschiedlichen Gebieten wie fruchtbaren Küstenebenen, kargen Gebirgen, kalten und steppenartigen Hochebenen oder am Rande der Sahara gezüchtet wurden, unterscheiden sich zum Teil erheblich im Aussehen. Es ist nur natürlich, dass Temperatur und Niederschläge großen Einfluss auf die Vegetation haben und dass die Entwicklung eines Tieres zusammenhängt mit seiner Ernährung und seiner Umwelt. Selbstverständlich hat auch der Mensch durch seine Auslese großen Einfluss auf Aussehen und Charakter der Tiere.

Hält man sich das riesige Zuchtgebiet vor Augen, das sich im Wesentlichen von Südmarokko bis nach Tunesien auf über 3.000 Kilometer erstreckt, ist die Bildung von lokalen Typen nicht verwunderlich und hat ihre Berechtigung. Nur an die jeweils vorherrschenden Klimabedingungen und Nutzungsweisen angepasste Pferde bringen die beste Leistung. In den regenreichen und fruchtbaren Küstenebenen in Algerien und Marokko sind die Pferde schwerer, größer und in unseren Augen vielleicht weniger charakteristisch für ihre Rasse. In den Bergregionen sind die Tiere stämmiger und weniger elegant. In den Hochebenen findet man ein gut entwickeltes, harmonisches, gut genährtes Berberpferd, das man vielleicht als am typischsten einstufen kann. Die Pferde am Rande der Sahara sind leichter, hochbeiniger und sehr elegant. Aber so grundverschieden diese Typen alle sein mögen, sie haben doch eines gemeinsam: die legendären Qualitäten des Berbers.

 
Die Bewegungen des typischen Berbers sind kurz und kraftvoll. Die Pferde können durchaus das Tempo eines Warmblüters halten, jedoch mit höherer Schrittfrequenz. Da der kompakte Rücken dabei erst gar nicht ins Schwingen kommt, sitzt der Reiter äußerst bequem und nahezu erschütterungsfrei – ideal für Menschen mit Rückenbeschwerden und auf langen Ritten.
Kurze Schritte, kompakter Bau und ihre natürliche Aufmerksamkeit machen diese Pferde extrem trittsicher. Ein kleiner Fehltritt wird sofort korrigiert, auch steiles, steiniges Gelände und holprige Wege stellen kein Problem dar. So mancher Reiter, der an europäische Rassen gewöhnt ist, staunt nicht schlecht, welche Hänge diese Pferde auch in unseren Breitengraden wie Ziegen überwinden. In ihrer Heimat kennen sie oft nichts anderes.
Der Galoppsprung ist sehr kurz und wirkt versammelt. Auch bei höherem Tempo sind Berber immer noch gut zu regulieren und lassen sich auch in der Gruppe gut durchparieren – ein typisches Merkmal für nordafrikanische Pferde. Ihrer angeborenen Aufrichtung in Verbindung mit dem leicht zügelbaren Temperament und der Nervenstärke verdanken Berber und deren Kreuzungsprodukte ihren legendären Ruf als die besten Reitpferde weltweit. Sie wurden und werden geschätzt von Kaisern und Königen, von Kavallerie und Polizei, von Distanz- und Freizeitreitern sowie von Showreitern in Nordafrika wie in Europa.
 
Kraftvoll mit natürlicher Versammlung:
die Bewegung der Berber
(Berberhengst Maazouz ZAYANE, Gestüt AZZAYANI)