Gestüt
Geschichte, Verbreitung
Charakter, Reiteigenschaften
Der Berber: Nerven-
stärke, Neugier, Treue
Araber-Berber: Optimierung
Urlaub
Ausbildung
 
Der Araber-Berber:
Optimierung beider Ausgangsrassen

Ein guter Winzer ist durchaus in der Lage, aus verschiedenen Aus-
gangsweinen eine in der Qualität erheblich bessere Mischung zu erzielen, als die einzelnen Ausgangsweine zu bieten hatten. In Deutschland nennt man das Ergebnis lapidar „Verschnitt“, die Franzosen bezeichnen es viel vornehmer als „Cuvée“. Genauso verhält es sich mit Pferden.

Bei guter Wahl der Ausgangsprodukte vereint die Mischung zweier Rassen mitunter von Beiden das Beste. Für Nordafrika das Nonplus-
ultra – das, was man im Maghreb züchterisch anstrebt, weil man für solche Pferde die meisten Verwendungsmöglichkeiten hat.
Gekreuzt wurden die beiden Ausgangsrassen bereits während der islamischen Eroberung im siebten und achten Jahrhundert. Wie viele arabische Pferde die muslimischen Invasoren mitbrachten, ist um-
stritten. Und wie diese Pferde aussahen, weiß man auch nicht genau. Das Produkt aus diesen Anpaarungen war für die Reiter ideal und den jeweiligen Elterntieren überlegen. So entstand vor über tausend Jahren die erste planmäßige Araber-Berberzucht, die auf ganz besondere Weise die Vorteile beider Pferdetypen vereint.
Man fand diese Rasse bis vor kurzem in keinem Buch, obwohl die Pferde in Nordafrika und Europa sehr wohl als eigenständige Popula-
tion in Zuchtbüchern geführt werden. Araber-Berber sind keine zufällige Kreuzung, sondern ein so weit wie möglich geplantes Ergebnis einer gezielten Anpaarung.

 

 
Araber-Berber-Stute Laaziza
(im Besitz von H. Forkert-Hahn, bei Wetzlar)
 
Araber-Berber-Wallach Hanafi
(im Besitz von H. Forkert-Hahn bei Wetzlar)

Die richtige Mischung macht es, garantiert aber für nichts! Optimale Ergebnisse sind genauso wenig selbstverständlich wie bei anderen Rassen. Ein bisschen Glück und großes züchterisches Geschick gehört auch beim perfekten Araber-Berber mit dazu. Im Idealfall vereint er Mut, Nervenstärke, Robustheit und Treue des Berbers mit der Schnelligkeit, Ausdauer und Schönheit des Araberpferdes. Diese Pferde stellen mit einem Anteil von zirka 90 Prozent an der gesamten Pferdepopulation die am weitesten verbreitete Pferderasse Nordafrikas dar, gefolgt vom reinrassigen Araber, dem Anglo-Araber und dem Berber. Je nach Blutzusammensetzung der Eltern ergeben sich sehr unterschiedliche Modelle.

 

Die ungeheure Beliebtheit der Araber-Berber in Nordafrika liegt in ihrer unbegrenzten Vielfalt begründet. Sie ermöglicht die Nutzung ein und desselben Pferdes als nervenstarkes Showpferd, siegreiches Rennpferd oder geduldiges Arbeitstier, am besten mit bequemem Tölt, damit man schnell mal den Nachbarn besuchen kann.  
Araber-Berber-Wallach Ihsan, hier noch in Marokko
(im Besitz von J. Eick, Berlin)
Je vielseitiger, desto teurer und wertvoller sind die Pferde. Sehen sie dann auch noch repräsentativ aus und haben vielleicht noch die seltene Palomino- oder Rappfarbe, dann werden von den wenigen Reichen schier unvorstellbare Preise gezahlt, die bei weitem das übertreffen, was man in Europa für ein gutes Freizeitpferd aufbringt. Der reine Araber blieb dank seines Prestigewertes erhalten, der Berber konnte dem deutlich besser verwendbaren Kreuzungsprodukt nicht mehr das Wasser reichen. Der Verdrängungsprozess war so groß, dass man kaum noch Berberpferde findet.  
Araber-Berber-Wallach Laroussi
(im Besitz von Dr. S. Geipert, Wetter)